Freitag, 18.März 2005, 13 Uhr

Eines Tages werden die Wünsche die Wohnung verlassen
und auf die Straße gehen.

Noch führen sie ein gering geschätztes Leben. Aber sie haben es satt, das Leben im Halbdunkel. Sie wollen raus, in die Stadt. Sie wollen andere Wünsche treffen, sich streiten, produktiv werden, auf der Straße tanzen. Was könnte sein wenn wir uns einen Ort nähmen, wo genug Raum wäre, um manche Wünsche wahr werden zu lassen?

Bei strahlendem Sonnenschein des ersten richtigen Frühlingstages ging es eigentlich schon vor der Auftaktveranstaltung zu hanau3d los. Die "Initiative soziale Belebung im Stadtteil" kurz isbis hatte an der seit mehr als 6 Monaten leerstehenden Schlossplatzschule einige Wünsche der Bewohnerinnen bildlich werden lassen. Auf 50qm Stoff waren unterschiedliche Wunschräume zu sehen - ein Nachbarschaftshaus Schlossplatz wurde an den Außenmauern sichtbar.

Ein großer Veranstaltungsraum für Familienfeiern und Feste günstig anzumieten, ein Proberaum, eine große Küche, ein Café-Raum mit Eissalon, ein Kinderspielraum und im ehemaligen Schulhof ein Skatepark... aufgegriffen wurden einige der Vorstellungen, was eigentlich fehlt im Stadtteil.

Direkt nach dem Aufhängen traf dann auch gleich die erste gewerkschaftlich organisierte Solidaritätsdemonstration ein...
im CPH (das millionenschwere Hanauer Kongresszentrum in dessen Windschatten es rund um einen möglichen Hotelneubau auch immer wieder um die Umstrukturierung der Altstadt geht) wurde über die Privatisierung der Stadtwerke verhandelt, die Beschäfigten protestierten. Durch Zufall traf sich beides zeitlich an der ehemaligen Schule.

Schon in den Vortagen war in den Briefkästen im Viertel ein Faltblatt aufgetaucht.

Was könnte sein wenn wir uns einen Ort nähmen, wo genug Raum wäre, um manche Wünsche wahr werden zu lassen? Was haben wir alle überhaupt für Wünsche und wie können wir diese
unter einen Hut kriegen? Was passiert mit der leerstehenden Schlossplatzschule und könnte diese nicht so ein Raum sein, in dem genug Platz für alle wäre?


Gesprächsstoff bot die Aktion jedenfalls durchaus - und überraschenderweise bieb das gute Stück auch tatsächlich tagelang hängen, zwischenzeitlich wurden sogar kleinere Risse ausgebessert...

Wieviel daraus weiter entsteht, wird sich zeigen - vor allem daran, ob sich tatsächlich ein paar Leute finden, die nicht nur träumen wollen, sondern sich vielleicht auch zutrauen, ihren Wünschen auf die Strasse zu folgen. Ein echtes Nachbarschaftshaus wird es nur geben, wenn es Leute wirklich wollen. Mit Sicherheit wird es jedenfalls beim nächsten Nachbarschaftsfest Anfang Juni nochmal Raum geben, die Ideen ein bißchen weiterzuspinnen...


In der Presse:
FR-Artikel "Bürgerhaus Schlossplatz"
HA-Artikel "Vision: Begegnung am Schlossplatz"